Montag, 31. Oktober 2016

Produktvorstellung: Kalkfarbe

Vor einiger Zeit habe ich die Frage gestellt bekommen, welche Biofarben es gibt. Dieser Artikel ist der zweite Teil der Vorstellungsreihe. Teil 1 über Lehmfarbe findest Du hier.

Wahrscheinlich hast Du schon den einen oder anderen Bericht über Kalkfarbe in diversen Wohnzeitschriften gesehen. Ich finde es großartig, dass dieser Farbklassiker ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt wird, denn er kann so viel.

Kalk ist in der Lage, Feuchtigkeit schnell aus der Raumluft aufzunehmen und ebenso schnell wieder abzugeben. Landläufig wird diese Eigenschaft mit "die Farbe atmet" umschrieben, der Fachbegriff dazu heißt Sorption. Sorptionsfähige Oberflächen haben einen sehr guten Einfluss aufs Raumklima.

Kalk ist außerdem alkalisch, hat also ein chemisches Millieu, das Schimmelsporen gar nicht mögen. Mit Kalkfarbe gestrichene Wände sind eine gute Vorbeugemaßnahme gegen Wohnschimmel. 



Das schöne an Biofarben ist, dass die Produkte in der Regel eine Volldeklaration haben. Das heißt, dass auf den Verpackungen die gesamte Zutatenliste abgedruckt ist.

Im Falle der Kalkfarbe sind es:
Sumpfkalk, Marmormehl, Kaolin, Wasser, Titandioxid, Methylcellulose, pflanzliches Polysaccharid

Sumpfkalk ist mit Wasser vermischtes Kalkpulver, das über eine Weile nass stehen gelassen wurde. Je länger sie Standzeit von Sumpfkalk ist, desto höher ist die Alkalität. Kalk ist fast-beinahe weiß.

Marmor ist ein Gestein. Das Marmor-Mehl macht die Farbe gleichmäßig feinkörnig und sorgt dafür, dass sie mit einer etwas dickeren Schichtstärke aufgetragen werden kann.

Kaolin, auch Porzellanerde genannt,  ist ein natürliches Weißpigment und wird außerdem als Füllstoff verwendet. Demnach hat es in der Kalkfarbe zwei Funktionen: es macht die Farbe weiß und ebenfalls gleichmäßig feinkörnig wie das Marmormehl.

Wasser ist das Lösungsmittel in der Farbe, das alle Bestandteile miteinander verbindet.

Titandioxid ist ebenfalls ein Weißpigment, das aus einem Mineral, das gebrannt wird, hergestellt wird.

Pflanzliches Polysaccharid (Mehrfachzucker) und Methylcellulose (Tapetenkleister) sind die Bindemittel in der Farbe, also diejenigen Stoffe, die den Anstrich an der Wand halten. 

Wenn Du magst, kannst Du die Kalkfarbe in über 150 Farbabstufungen färben, gerade so, wie es Dir gefällt und zu Deiner Einrichtung passt. Wichtig ist, dass Du kalkechte Pigmente verwendest. Kalk hat nämlich die vertrackte Eigenschaft, Pigmenten die Färbekraft zu entziehen oder Farbverschiebungen zu erzeugen. Jedes kalkechte Pigment aus der Casa-Natura-Produktpalette ist mit einem K* gekennzeichnet.

Die Verarbeitung der Farbe ist dann etwas anders als bei einer herkömmlichen Farbe, denn Du streichst mit einem dicken Pinsel und nicht mit einer Rolle. Warum? Die hinzugefügten Farbpigmente sind feiner als die Partikel von Sumpfkalk, Kaolin und Marmormehl. Wenn Du versuchst, das Gemisch mit der Rolle an die Wand zu bringen, rutschen die feinen Farbpigmente seitlich unter der Rolle hervor und Du malst Streifen auf die Wand. Diese Streifenbildung passiert leider völlig unkontrollierbar und ist deswegen noch nichtmal als gestalterisches Mittel einzusetzen.

Ich schätze die Arbeit mit dem großen Pinsel sehr, da er sich nicht mit Farbe vollsaugt und schwer wird. Je nach dem welche Rolle Du verwendest, passiert das sehr schnell und Anstreichen wird zum Kraftakt.
Solltest Du am Abend noch Farbe im Eimer haben, lagere diesen Rest im offenen Eimer. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Farbe so länger hält als im verdeckelten Eimer. 

Eine der wiederkehrenden Fragen in der Kundenberatung ist die, was denn getan werden muss, wenn die Wand renoviert werden soll.

Es besteht die Möglichkeit, die mit Kalkfarbe gestrichenen Flächen wieder mit Kalkfarbe zu überstreichen. Meist reicht ein Anstrich. Wenn Du ein anderes Material verwenden möchtest, dann streich die Wände vorab mit Tiefgrund. Tiefgrund versprödet die Kalkfarbe und bereitet die Wand für neue, andere Anstriche vor.

Eine weitere wiederkehrende Frage ist, wie lang die Renovierungsintervalle sind. Da sich mit Kalkfarbe gestrichene Wandflächen nicht statisch aufladen, wenn die Raumluft daran entlang streicht, sammelt sich kein Staub auf der Wand. Die typischen dunklen Ränder um Bilderrahmen entstehen nicht. Deswegen bleiben so gestaltete Flächen sehr lange schön - bis zu zehn Jahre. In der Regel renovieren meine Kunden, weil sie ihre Zimmer farblich verändern wollen und nicht, weil die Wandflächen vergraut sind.

Wenn Du weitere Fragen dazu hast, schreib sie gern in die Kommentare oder stell sie auf der Facebook-Seite. Ich freue mich, von Dir zu lesen und antworte Dir auf jeden Fall.

Dieser Artikel ist im Rahmen des BlogMomentum 2016 entstanden.





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