Mittwoch, 20. April 2016

Produktvorstellung: Lehmfarbe

Mich erreichten in letzter Zeit Fragen nach Biowandfarben und deswegen habe ich beschlossen, in loser Reihe unterschiedliche Typen von Wandfarbe vorzustellen.

Ich beginne mit Lehmwandfarbe

Warum gerade damit? 
Ich persönlich finde es immer wieder faszinierend, aus wie wenig Bestandteilen die Farbe gebaut ist und wie gut sie funktioniert. Das schöne an Biofarben ist, dass die Produkte in der Regel eine Volldeklaration haben. Das heißt, dass auf den Verpackungen die gesamte Zutatenliste abgedruckt ist.

Im Falle der Lehmwandfarbe sind es genau vier
helle Tonerde, Dolomit-Mehl, pflanzl. Polysaccharid, Methylcellulose

Helle Tonerde ist der Lehm. In fast-beinahe weiß. Dolomit ist ein Gestein. Das Dolomit-Mehl macht die Farbe gleichmäßig feinkörnig und sorgt dafür, dass sie mit einer etwas dickeren Schichtstärke aufgetragen werden kann. Pflanzliches Polysaccharid (Mehrfachzucker) und Methylcellulose (Tapetenkleister) sind die Bindemittel in der Farbe, also diejenigen Stoffe, die den Anstrich an der Wand halten. 

Vor der Verarbeitung fügst Du eine fünfte Zutat hinzu, nämlich Wasser. Bis dahin ist die Lehmfarbe pulverförmig, was mehrere Vorteile hat: trockenes Pulver kommt ohne Konservierungsstoffe aus und hält sich seeeehr lange. Außerdem reduziert sich das Gewicht für den Transport der Farbe und dadurch fallen weniger Versandkosten an.



Wenn Du magst, kannst Du die Lehmfarbe in über 200 Farbabstufungen färben, gerade so, wie es Dir gefällt und zu Deiner Einrichtung passt.

Die Verarbeitung der Farbe ist dann etwas anders als bei einer herkömmlichen Farbe, denn Du streichst mit einem dicken Pinsel und nicht mit einer Rolle.

Warum?

Die hinzugefügten Farbpigmente sind feiner als die Partikel von Tonerde und Dolomit-Mehl. Wenn Du versuchst, das Gemisch mit der Rolle an die Wand zu bringen, rutschen die feinen Farbpigmente seitlich unter der Rolle hervor und Du malst Streifen auf die Wand. Diese Streifenbildung passiert leider völlig unkontrollierbar und ist deswegen noch nichtmal als gestalterisches Mittel einzusetzen.

Ich schätze die Arbeit mit dem großen Pinsel sehr, da er sich nicht mit Farbe vollsaugt und schwer wird. Je nach dem welche Rolle Du verwendest, passiert das sehr schnell und Anstreichen wird zum Kraftakt.

In diesem Video kannst Du Dir die Verarbeitung der Lehmfarbe anschauen:




Solltest Du am Abend noch Farbe im Eimer haben, lagere diesen Rest im offenen Eimer. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Farbe so länger hält als im verdeckelten Eimer. 

Eine der wiederkehrenden Fragen in der Kundenberatung ist die, was denn getan werden muss, wenn die Wand renoviert werden soll.
Es besteht die Möglichkeit, die mit Lehmfarbe gestrichenen Flächen wieder mit Lehmfarbe zu überstreichen. Meist reicht ein Anstrich. Wenn Du ein anderes Material verwenden möchtest, dann streich die Wände vorab mit Tiefgrund. Tiefgrund versprödet die Lehmfarbe und bereitet die Wand für neue, andere Anstriche vor.

Eine weitere wiederkehrende Frage ist, wie lang die Renovierungsintervalle sind. Da sich mit Lehmfarbe gestrichene Wandflächen nicht statisch aufladen, wenn die Raumluft daran entlang streicht, sammelt sich kein Staub auf der Wand. Die typischen dunklen Ränder um Bilderrahmen entstehen nicht. Deswegen bleiben so gestaltete Flächen sehr lange schön - bis zu zehn Jahre. In der Regel renovieren meine Kunden, weil sie ihre Zimmer farblich verändern wollen und nicht, weil die Wandflächen vergraut sind.

Wenn Du weitere Fragen dazu hast, schreib sie gern in die Kommentare oder stell sie auf der Facebook-Seite. Ich freue mich, von Dir zu lesen und antworte Dir auf jeden Fall.




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